Die Menschen hinter Las Comadres
Interview mit Andrea
Yogalehrerin
Las Comadres ist mehr als ein Atelier oder ein Laden. Es ist ein gemeinsamer Raum, getragen von unterschiedlichen Frauen, Ideen und Handwerken. In dieser Reihe stellen wir die Menschen hinter Las Comadres vor. Heute ist Andrea dran. Sie gehört seit 2 Jahren als Yogalehrerin zum Las Comadres und begleitet hier Menschen auf der Matte.
In ihren Stunden geht es nicht um Leistung oder äußere Form, sondern um eine ehrliche Begegnung mit den eigenen Grenzen – und darum, sich selbst weder zu überfordern noch kleinzuhalten.

Andrea, wie bist du ursprünglich zum Yoga gekommen?
Eigentlich über den Sport. Ich war im Fitnessbereich unterwegs, hatte Trainerausbildungen gemacht und bin mit einer Freundin zum Yoga gegangen. Sie hat schnell wieder aufgehört, ich nicht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich das viel tiefer abholt als alles andere, was ich bis dahin gemacht habe.
Gab es einen Moment, in dem klar war: Das ist mehr als nur ein Hobby?
Ja. Ich habe damals meinen Fitnessausbilder gefragt, was er davon hält, wenn ich eine Yogaausbildung mache. Ich dachte ehrlich gesagt, er sagt eher nein. Stattdessen kam sofort ein begeistertes Ja. Er meinte, in der Art, wie ich unterrichte und mit Menschen umgehe, sei ohnehin schon unglaublich viel Yoga drin. Das hat etwas in mir angestoßen.
Wo hast du deine Ausbildung gemacht?
Mit Anfang 30 bei Inside Yoga. Erst in Frankfurt und dann einen Monat sehr intensiv in Italien. Diese Zeit war wichtig, weil ich mich wirklich komplett auf Yoga konzentrieren konnte. Ich habe dort Dinge gelernt, die mir vorher im Fitnessstudio und auch im Yoga gefehlt hatten. Weiter ging es mit Ausbildungen bei Soboco Yoga in Köln. Und hier darf ich seit über 12 Jahren weiterwachsen.
Und trotzdem kamen danach Zweifel?
Natürlich. Ich wusste eigentlich, dass ich unterrichten will, aber da war diese Frage: Bin ich gut genug? Das kennt wahrscheinlich fast jede Person, die anfängt, etwas Eigenes nach außen zu tragen.
Wie hast du diese Zweifel überwunden?
Durchs Tun. In einem Yogastudio, in dem ich selbst praktiziert habe, wurde ich gefragt, ob ich unterrichten möchte. Die erste Stunde habe ich aus Nervosität noch verschoben. Die zweite habe ich gehalten. Und die war richtig gut. So gut, dass die Leute nicht glauben wollten, dass ich gerade erst meine Ausbildung abgeschlossen hatte. Danach war klar: Das ist mein Weg. Und seitdem gehe ich diesen Weg mit großer Freude und viel Liebe.
Du sprichst oft von Grenzen. Was meinst du damit?
Grenzen sind für mich nichts Negatives. Es geht darum, sie zu erkennen. Manche Menschen halten sich zu klein und trauen sich nichts zu. Andere gehen ständig über ihre Grenzen, aus Ego oder Ehrgeiz. In meinen Stunden geht es darum, beides wahrzunehmen. Zu spüren, wann es gut ist weiterzugehen und wann es wichtig ist, innezuhalten. Gewaltfrei zu praktizieren, körperlich und emotional.
Ein zentrales Element deiner Stunden ist Spiraldynamik. Kannst du das einfach erklären für Leute, die den Begriff nicht kennen?
Der Körper bewegt sich nicht in geraden Linien. Muskeln, Faszien und Nerven verlaufen spiralig. Wie Wasser, das abfließt, oder Wind, der sich bewegt. In der Spiraldynamik nutzen wir diese natürlichen Bewegungsmuster. Durch gezielte Rotation von Armen und Beinen findet man oft leichter und stabiler in eine Haltung hinein. Das fühlt sich für viele sehr logisch an, auch wenn sie den Begriff vorher nicht kannten.
Du arbeitest bewusst wenig mit klassischen Yoga-Bildern oder Visualisierungen. Warum?
Weil ich möchte, dass Menschen sich selbst wahrnehmen. Ich sage niemandem, welche Farbe er sich vorstellen soll oder was er fühlen muss. Das empfinde ich als manipulativ. Mir ist wichtig, dass jede Person spürt, was im eigenen Körper passiert. Yoga ist für mich kein Konzept, sondern Erfahrung.
Was erwartet Menschen konkret in deinen Stunden?
Sie werden gesehen. Niemand ist einfach nur Teil einer Masse. Es ist völlig okay, wenn etwas nicht sofort geht. Auch wenn man Schwierigkeiten hat anzukommen, die Augen zu schließen oder sich zu entspannen. Entwicklung braucht Zeit und Vertrauen.
Empfiehlst du, deine Stunden erst einmal auszuprobieren?
Ja. Am besten über ein paar Drop-ins. Nicht nur einmal. Yoga ist Beziehung. Zu sich selbst und auch zur Lehrerin. Es darf sich zeigen, ob das passt. Viele meiner Teilnehmenden begleite ich seit vielen Jahren.
Was treibt dich heute als Yogalehrerin an?
Sobald die Tür zum Raum zugeht, bin ich da. Egal, wie der Tag war. Ich liebe es, Menschen dabei zu unterstützen, mit einem besseren Gefühl durch ihren Alltag zu gehen. Und ich passe meine Stunden dem Außen an. Je unruhiger die Welt wird, desto ruhiger werden meine Stunden. Yoga soll entlasten, nicht noch mehr fordern.
Wie bist du auf Las Comadres gestoßen und was hat dich daran angesprochen?
Indem mich eine Freundin mit hierhergebracht hatte, um mir den Ort zu zeigen. Da ich sofort die gute Energie gespürt haben, habe ich mich hier gleich wohl gefühlt und wollte bleiben. Nach 9 Jahren habe ich dann beschlossen, mein eigenes Studio zu schließen und bei Las Comadres mit anderen Frauen etwas zu kreieren. Wieder gemeinsam mit anderen etwas zu schaffen.