Die Menschen hinter Las Comadres
Interview mit Anna Strauch
Mitgründerin und Schmuckmacherin
Las Comadres ist mehr als ein Atelier oder ein Laden. Es ist ein gemeinsamer Raum, getragen von unterschiedlichen Frauen, Ideen und Handwerken. In dieser Reihe stellen wir die Menschen hinter Las Comadres vor. Nach Sharon im Januar kommt nun Anna zu Wort – Mitgründerin, Schmuckmacherin und jemand, für den dieser Ort von Anfang an auch ein Arbeits- und Lebensraum war.

Was hat dich ursprünglich inspiriert, Las Comadres zu gründen?
So ganz klar war das Konzept am Anfang noch nicht. Ich habe eigentlich eine Werkstatt gesucht. Die Idee war eher, eine Gemeinschaftswerkstatt zu schaffen, in der mehrere Menschen kreativ arbeiten können und man dann schaut, was daraus entsteht. Sharon hatte parallel schon länger von einem kleinen Laden mit Café in der Altstadt geträumt, in dem Kunsthandwerk und Kunst gezeigt werden. So haben sich unsere Ideen verbunden. Es war wirklich ein Sprung ins kalte Wasser, eher aus einem Gefühl heraus als aus einem fertigen Plan.
Warum war es dir wichtig, einen Ort zu schaffen, an dem Arbeit und Alltag zusammengehen können?
Ein großes Thema war für mich die Mutterschaft. Unsere Kinder waren damals noch klein und die Betreuung oft unzuverlässig. Viele Werkstätten, die ich mir angeschaut habe, waren sehr männerdominiert. Ich wollte einen Ort, an dem Kreativität und Alltag zusammengehen können. Einen Raum, in dem man sich gegenseitig auffängt, wenn jemand ausfällt. Wo auch Kinder einfach mal mitkommen dürfen. Diese Vereinbarkeit war ein wichtiger Grundgedanke für den Ort.
Was bedeutet dir Las Comadres heute?
Für mich ist es wie ein zweites Zuhause. Ich habe eine Zeit lang täglich einige Stunden dort verbracht. Heute nicht mehr soviel , aber jedes Mal, wenn ich hereinkomme, ist da dieses warme Gefühl. Es gibt mir Halt und Freude. Es ist ein Ort, der entschleunigt und an dem Ideen entstehen können. Ich habe dort sehr viel gelernt und bin persönlich gewachsen.
Was motiviert dich in deiner Arbeit als Schmuckmacherin?
Vor allem die Begegnungen mit Menschen. Wenn jemand ein Schmuckstück findet, das wirklich zu ihm oder ihr passt–oft steckt darin eine Erinnerung oder ein Gefühl. Für mich ist das Arbeiten selbst auch Ausdruck, manchmal fast wie eine Therapie. Sobald es möglich ist, setze ich mich in die Werkstatt und es ist nach 16 Jahren immer noch mein liebster Zeitvertreib. Und es berührt mich sehr, wenn ich auf Märkten zufällig Menschen treffe, die ein Stück von mir seit Jahren tragen.
Mit welchen Materialien und Werkzeugen arbeitest du am liebsten?
Ich arbeite vor allem mit Metall und Edelsteinen, experimentiere aber auch gern mit Naturmaterialien oder Holz. Je nachdem, was mir begegnet, findet es manchmal seinen Weg in die Arbeit.
Was die Werkzeuge angeht, ist vieles über die Jahre gleich geblieben. Der Hammer ist wahrscheinlich das wichtigste. Ich hatte lange Zeit eigentlich nur einen, den ich überallhin mitgenommen habe, sogar auf Reisen. Mit dem habe ich jahrelang gearbeitet. Er ist gepflegt worden, hat Spuren bekommen und ist für mich bis heute ein zentrales Werkzeug. Inzwischen gibt es ein paar mehr, auch weil ich Hämmer sehr ästhetisch finde und sie sich unterschiedlich einsetzen lassen. Aber dieser erste begleitet mich immer noch.
Und dann gibt es noch meine Zange. Die habe ich seit über zehn Jahren und sie ist fast immer in meiner Tasche, egal ob Markt oder Werkstatt. Ich habe mittlerweile mehrere, aber ich greife fast immer zu derselben. Sie liegt einfach gut in der Hand und ist so vertraut geworden, dass ich sie ungern irgendwo zurücklasse. Diese Werkzeuge sind für mich nicht nur praktisch, sondern auch Begleiter durch die Jahre. Man wächst mit ihnen und sie tragen die Spuren der Arbeit.
Was wünschst du dir für die Zukunft von Las Comadres?
Dass es ein Rückzugsort für Kreativität bleibt. Ein Ort für gemeinsames Arbeiten, aber auch für eigene Projekte. Dass Menschen dort mit Leidenschaft wirken können und Dinge entstehen. Das inspiriert mich sehr und genau das wünsche ich mir für den Laden.
Was magst du an der Altstadt in Bonn?
Ich bin in Bonn aufgewachsen, war lange weg und musste die Stadt erst wieder neu entdecken. Ich glaube, Orte werden vor allem durch Menschen besonders. Mit den richtigen Leuten wird auch die Altstadt zu einem guten Ort. Sie ist überschaubar, persönlich und es gibt eine kleine, lebendige kreative Szene. Man kennt sich, man begegnet sich. Das mag ich sehr.