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Die Menschen hinter Las Comadres
Interview mit Sharon Calman
Mitgründerin und Künstlerin

Las Comadres ist mehr als ein Atelier oder ein Laden. Es ist ein gemeinsamer Raum, getragen von unterschiedlichen Frauen, Ideen und Handwerken. In dieser neuen kleinen Interview-Reihe stellen wir die Menschen hinter Las Comadres vor. Den Anfang macht Sharon, Mitgründerin, Künstlerin und Mitdenkerin dieses besonderen Ortes.
Was hat dich ursprünglich inspiriert, Las Comadres zu gründen?
Ein wichtiger Impuls geht für mich zurück ins Jahr 2011. Damals war ich in Taos in New Mexico, einer Künstlerstadt mit einer sehr starken künstlerischen Atmosphäre. Georgia O’Keeffe hat dort in der Nähe gearbeitet, und insgesamt ist es ein Ort, an dem Kunst und Landschaft auf besondere Weise zusammenkommen. Dort habe ich eine Galerie‑Kooperative von Frauen kennengelernt, die sich Las Comadres nannte, darunter auch indigene Künstlerinnen. Das hat mich sehr beeindruckt.
Ich würde nicht sagen, dass ich seitdem konkret die Idee hatte, selbst so etwas zu gründen, aber es ist definitiv hängen geblieben. Es hat etwas in mir angestoßen. Jahre später saßen Anna und ich oft zusammen bei Kaffee und haben von einem gemeinsamen Ort geträumt – einer Galerie oder einem Atelier, einem Raum zum Arbeiten, Begegnen und Austauschen.
Im Sommer 2022 war ich gerade in Südfrankreich, als Anna mich anrief. Ihr war ein Atelier‑Galerie‑Ort angeboten worden, und sie fragte mich, ob ich mit einsteigen wolle. Ich habe nicht lange überlegt, vielleicht ein oder zwei Tage, und dann Ja gesagt. Auch wenn meine Kinder damals noch sehr klein waren. Wir haben es einfach gemacht.
Was bedeutet dir die künstlerische Gemeinschaft hier am meisten?
Las Comadres ist für mich ein ganz magischer Ort. Hier passiert unglaublich viel. Es ist ein Ort des kreativen Schaffens, der Zusammenarbeit und des Austauschs. Wenn Frauen hier gemeinsam in einem Raum arbeiten, entsteht etwas Eigenes.
Es ist ein Ort des weiblichen Zusammenschlusses, der Inspiration und des Ankommens. Ich habe oft das Gefühl, dass Menschen hier ein Stück näher zu sich selbst kommen. Für mich ist Las Comadres wie eine Quelle – ein Quellort für Ideen und für gemeinsames kreatives Arbeiten.
Gleichzeitig ist es ein Tempel des Analogen und der Haptik. Ein Ort, an dem man Dinge wirklich anfassen kann, an dem echte Begegnungen stattfinden und echtes Handwerk erlebbar ist. Eine kleine Bastion des Echten in sehr schnellen, oft unpersönlichen und seelenlosen Zeiten.
Wichtig ist uns dabei auch die Auswahl der Menschen, die Teil dieser Gemeinschaft werden. Enthusiasmus spielt eine große Rolle, aber ebenso Bodenständigkeit und Erfahrung. Es geht nicht um einen kreativen Versuchsballon, sondern um gelebte Professionalität – nicht beamtentümlich, sondern auf eine kreative, weibliche Art.
Gab es eine besondere Erinnerung oder ein prägendes Erlebnis, das dich in deiner Arbeit motiviert hat?
Diese Frage finde ich gar nicht so leicht zu beantworten. Ich denke dabei an ein Bild, das ich gemalt habe und das relativ erfolgreich war. Darin ging es um das Sich‑Hinwegsetzen über etwas sehr Städtisches, Eckiges, Maschinelles und Technisiertes. Auf dem Bild erhebt sich eine indigene Frau über eine Wolkenkratzerlandschaft hinweg.
Dieses Motiv steht für etwas, das mich grundsätzlich inspiriert: das Ursprüngliche, Quellenhafte, das in uns allen schlummert, gerade auch in uns Frauen. Immer wieder darauf zurückzugreifen, dieses Intuitive und Natürliche, im Kontrast zum Maschinellen, Technisierten und Seelenlosen. Es ist weniger ein einzelnes prägendes Ereignis als vielmehr eine konstante innere Triebfeder, die meine Arbeit begleitet.
Gibt es ein Lieblingsmedium oder ein Werkzeug, ohne das du dir deine Arbeit kaum vorstellen kannst?
Ich liebe Ölmalerei. Öl ist wirklich mein Medium. Gleichzeitig arbeite ich sehr gerne mit Aquarellfarben. Im Öl sehr farbkräftig, im Aquarell fein und sinnlich – beides entspricht mir sehr.
Neu dazugekommen sind Keramik und Treibholz. Materialien, die ich erst durch Las Comadres für mich entdeckt habe und in denen ich neue Geschichten erzählen kann. Dieser Ort hat mir neue Wege eröffnet. Las Comadres ist für mich auch ein Ort des persönlichen Wachstums – wenn man ihn so nutzen möchte.
Was gefällt dir an der speziellen Atmosphäre der Bonner Altstadt rund um Las Comadres besonders?
Die Altstadt ist ein sehr besonderer Kiez. Familiär, lebendig und multikulturell. Man kennt sich, begegnet sich, lebt miteinander und respektiert einander. Sie hat etwas Urtümliches, ein warmes, gutes Flair. Auch wenn sie mir manchmal fast ein wenig zu eng ist, schätze ich genau diese Nähe sehr. Deshalb bin ich froh, dass Las Comadres genau hier verortet ist.
Bonn insgesamt empfinde ich als gemütlich, grün und fast ein bisschen mediterran. Die Altstadt bleibt für mich aber ein Ort der Nähe und Verbundenheit. Und der Laden ist mein Ankerpunkt.
Was wünschst du dir für die Zukunft von Las Comadres?
Ich wünsche mir vor allem, dass Las Comadres lebendig bleibt. So lebendig, wie es jetzt ist. Dass sich viele berufen fühlen, Verantwortung für dieses Projekt zu übernehmen und dass es weiterhin zeigt, wie Frauen gemeinsam kreativ arbeiten, sich inspirieren und gegenseitig bekräftigen können.
Für mich ist Las Comadres ein Ort des Fließens, und genau das wünsche ich mir auch für die Zukunft: dass Bewegung drin bleibt. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass sich mit der Zeit ein festes, gutes Team etabliert, in dem Strukturen geklärt sind und Verantwortung so verteilt ist, dass gutes und entspanntes Arbeiten möglich wird.
Und ja, ich wünsche mir auch mehr finanziellen Erfolg und Sichtbarkeit. Gleichzeitig soll dieser besondere Geheimtipp‑Charakter erhalten bleiben. Las Comadres muss nicht für alle sein, sondern für die richtigen Menschen.
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