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Die Menschen hinter Las Comadres

Interview mit Thoko
Modistin

Las Comadres ist mehr als ein Atelier oder ein Laden. Es ist ein gemeinsamer Raum, getragen von unterschiedlichen Frauen, Ideen und Handwerken. In dieser Reihe stellen wir die Menschen hinter Las Comadres vor. Diesmal Thokozile (Thoko) Hancock, Modistin aus Leidenschaft. Sie verbindet handwerkliche Präzision mit einem feinen Gespür für Menschen – und für den Moment, in dem ein Hut plötzlich „klick“ macht und jemand sich darin wirklich wiederfindet.

Thoko, wie bist du überhaupt zur Hutmacherei gekommen?

 

Eigentlich wollte ich immer Kunst studieren. Das war während meiner ganzen Schulzeit der Plan. Ich habe auch eine Mappe gemacht und mich an Kunsthochschulen beworben. Und dann habe ich gemerkt: Das ist gar nicht das, was ich mir vorgestellt habe. Ich war damals auch in Düsseldorf unterwegs und bin dort an einem Hutgeschäft vorbeigekommen. Und das war wirklich so ein Moment von – das ist es. Ich bin einfach reingegangen, aus Neugier, und war sofort fasziniert von dem, was die Frau da gemacht hat. Ich durfte Dinge anprobieren, Haarschmuck, Hüte. Und es war wirklich wie eine Verwandlung. Ich war sofort hin und weg. Ich habe sie direkt gefragt, ob sie ausbildet. Und so hat das angefangen.

 

 

Was hat dich daran so berührt?

 

Es war dieses Gefühl von: Das ist die Art von Kunst, die ich gesucht habe. Nicht so kopfig, sondern mit den Händen. Etwas gestalten, etwas erschaffen. In den Kunsthochschulen hatte ich das Gefühl nicht. Da habe ich mich nicht wohlgefühlt. Aber bei dieser Modistin schon. Da hatte ich sofort dieses Ankommen.

 

 

Was fasziniert dich bis heute an Hüten?

 

Ich finde es immer wieder erstaunlich, was passiert, wenn Menschen einen Hut aufsetzen. Nicht nur, wie sie aussehen – sondern wie sie sich verändern. Manchmal nimmt man einen Hut, von dem man denkt, der ist eher unscheinbar. Und auf der richtigen Person ist es plötzlich wie ein Klick. Und alles passt zusammen. Ich habe das selbst erlebt. Schon als Kind habe ich mich gerne verkleidet, mit Hüten gespielt. Man konnte so schnell in eine andere Rolle schlüpfen. Und dieses Gefühl ist geblieben.

 

 

Und wie ist das heute – nach all den Jahren im Handwerk?

 

Natürlich kommt auch eine gewisse Ernüchterung dazu. Man ist in einem Handwerk, das konkurriert mit sehr viel billiger Ware. Und nicht alle bringen Wertschätzung dafür mit. Aber hier im Las Comadres erlebe ich das ganz anders. Die Kundschaft ist sehr wertschätzend. Das ist etwas Besonderes und macht einen großen Unterschied.

 

 

Wie entsteht ein Hut bei dir?

 

Das ist ganz unterschiedlich. Manche kommen mit einer ganz konkreten Vorstellung. Andere bringen ein Kleidungsstück mit und sagen: Dazu brauche ich den passenden Hut. Dann ist es ein gemeinsamer Prozess. Wir schauen, was der Hut können soll, welche Anforderungen es gibt. Und dann gibt es die andere Seite: Dass ich einfach aus mir heraus arbeite. Dinge mache, auf die ich Lust habe. Das ist auch ein Luxus.

 

 

Gibt es Materialien, mit denen du besonders gerne arbeitest?

 

Ich liebe eigentlich die Vielfalt. Im Winter arbeitet man viel mit Filz und Wolle. Wenn man den Filz über Dampf formt, riecht die ganze Werkstatt danach. Das ist ein ganz eigener Geruch. Im Frühjahr und Sommer sind es dann Stroh, Seide, Federn. Alles wird leichter, auch vom Gefühl her. Ich könnte mich gar nicht auf ein Material festlegen. Genau diese Bandbreite ist das, was ich so schön finde.

 

 

Und ohne welches Werkzeug geht gar nichts?

 

Ohne Dampf kein Hut. Das ist wirklich so. Der Dampf ist essenziell. Und eine gute Schere. Mit schlechten Scheren arbeite ich nicht mehr.

 

 

Du hast vorhin diesen Moment beschrieben, in dem es „klick“ macht. Woran erkennst du das?

 

Man sieht es im Gesicht. Die Leute können vorher ganz rational sagen, sie brauchen einen Hut, gegen Sonne oder Kälte. Aber wenn es passt, verändert sich etwas. Sie schauen sich an und denken: oh ja. Und das sieht man sofort. Darauf arbeite ich hin. Nicht nur, dass etwas technisch passt, sondern dass dieses Gefühl da ist.

 

 

Viele sagen ja: „Ich habe kein Hutgesicht.“ Was sagst du dazu?

 

Ich bin überzeugt, dass es das nicht gibt. Die meisten haben einfach noch nicht den richtigen Hut gefunden. Oder sie haben zu viele Hüte ausprobiert, die überhaupt nicht zu ihnen gepasst haben. Dafür gibt es eigentlich Fachgeschäfte. Beratung ist ein großer Teil meiner Arbeit. Und die ist viel mehr als nur: Welche Farbe passt. Es geht um Ausstrahlung, um Gefühl, um das, was jemand mit dem Hut ausstrahlt.

 

 

Wie läuft so eine Beratung bei dir ab?

 

Ganz unterschiedlich. Manche wollen schnell etwas finden und wieder gehen. Gerade Männer kommen oft mit einem kleinen Zeitfenster. Andere bringen mehr Zeit mit und lassen sich auf den Prozess ein. Dann probieren wir viel aus. Man muss Hüte aufsetzen. Auf einem Ständer kann man sagen, der ist schön. Aber ob er passt, sieht man erst auf dem Kopf. Und ich empfehle auch, Dinge auszuprobieren, von denen man denkt: Das ist nichts für mich. Genau da passiert oft die Überraschung.

 

 

Was hat dich zum Las Comadres gebracht?

 

Ich habe Sharon kennengelernt, da war der Laden noch in Planung. Sie hat davon erzählt, und ich fand es sofort spannend. Ein paar Monate später habe ich sie wieder getroffen und gesagt: Ich würde gerne schauen, was daraus werden kann. Und so bin ich hier gelandet.

 

 

Und was ist dieser Ort heute für dich?

 

Ich finde es schön, wie sich dieser Raum immer wieder verändert und neu erfindet. Für mich ist es ein Ort, an dem ich gut sein kann. Das ist nicht selbstverständlich. Aber hier passt es. Die Energie stimmt für mich.

 

 

Du warst ja auch auf Wanderschaft. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

 

Ich glaube, die größte Lernerfahrung bezieht sich gar nicht unbedingt auf Hüte. Es ist wirklich eine Zeit des enormen persönlichen Wachstums. Was man innerhalb von drei Jahren erlebt, mit so vielen unterschiedlichen Menschen, das lässt einen sehr wachsen. Und was die Hüte angeht, fand ich es spannend, in so viele verschiedene Betriebe einzutauchen. Wie unterschiedlich Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Orte, an denen gearbeitet wird.

 

 

Was sollten Menschen über dich und dein Handwerk unbedingt wissen?

 

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen wüssten, was alles möglich ist. Es gibt so viel mehr als das, was man fertig im Laden kaufen kann. So viele Möglichkeiten, so viele individuelle Lösungen. Und das ist etwas, was ich wirklich gerne anbiete.

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